Auf Abwegen – Star Trek: Enterprise

Es wird auf diesem Blog nicht allzu oft vorkommen, dass ihr etwas über Star Trek lest. Die Geschichten sprechen mich einfach nicht an. Bei manchen Angelegenheiten sieht man mich womöglich sogar den Kopfschütteln und das ein oder andere „Häää???!!!“ mag mir auch entkommen. So geht es dem ein oder anderen gewiss jedoch auch, wenn er Serien und Filme sieht, auf die ich voll abfahre. Sind wir uns an dieser Stelle einfach darüber einig, dass Geschmäcker einfach verschieden sind.

Wie ich zu Star Trek: Enterprise – oder nur Enterprise wie es damals noch hieß – kam, weiß ich gar nicht mehr so genau. Im Gegensatz zu dem restlichen Star Trek-Universum haben mich diese Geschichten allerdings durchaus angesprochen und ich blieb dran. Die Charaktere und deren Schauspieler wussten zu überzeugen und die Story entwickelte sich kontinuierlich weiter. Irgendwann kam ich dann aus zeitlichen Gründen nicht mehr dazu, weiterzugucken, und so blieb die Serie auf der Strecke und Teile der dritten und die vierte Staffel fehlten mir.

Als Syfy nun den Enterprise-Marathon zeigte, nutzte ich also die Gelegenheit für einen Rewatch. War ja doch schon eine Weile her, dass ich auch die ersten Staffeln zum ersten Mal sah.

Was mir von Anfang an gefiel, war dieses Miteinander Crew. Zwar gab es immer wieder einmal Differenzen und den ranghöheren Offizieren wurde der nötige Respekt entgegengebracht. Aber dennoch arbeitete man Hand in Hand und hielt sich nicht zwangsläufig für etwas Besseres. Um dieses Gefühl zu vermitteln, baute man auch sehr stark auf die Freundschaft zwischen Captain Archer und seinem Chefingenieur Tucker, die sich – da sie gute Freunde sind – schon einmal dutzten. Weniger zuträglich war dem ganzen das Verhalten des Wissenschaftsoffiziers, der Vulkanierin T’Pol. Ich kann die Vulkanier ja ohnehin schon nicht ab, aber hatte ich verdrängt, was das zu Beginn für eine Zicke war O.o Zum Glück bessert sich das gegen Mitte der ersten Staffel. Andernfalls wäre das nahezu unerträglich gewesen.

Das einzig positive an den „Ich bin Vulkanierin und deshalb viel besser. Ich geb euch nur, was ich euch geben mag“-Anfällen sind die Reaktionen der Crew. Insbesondere Archer und Tucker scheinen sich häufig köstlich zu amüsieren und können die Vulkanier noch weniger leiden als ich 😀

Die erste Staffel fand ich im Großen und Ganzen recht gut. Da steckte noch der Forschergeist in der Serie. In jeder Episode gab es Neues zu entdecken und neue Entscheidungen zu treffen – manchmal absolut vertretbar, manchmal moralisch äußerst fragwürdig.

Gelegentlich – und das sind dann die Episoden, die mir am wenigsten gefallen – kommt dann die ganz fette Moralkeule. Statt zum Denken anzuregen, kommt das große „Aber das ist so nicht richtig. Das müsst ihr so machen.“ Das mag schon so sein. Mir gefällt es allerdings, sich Gedanken in jedwede Richtung zu machen und nicht gleich das fertige Ergebnis präsentiert zu bekommen. Genau so fühlt sich manche Episode allerdings an: als fertiges Statement, in dem verkündet wird, wie ein Mensch in welcher Situation zu tun oder zu denken hat.

Zum Glück sind diese Episoden in der Serie relativ spärlich gesiedelt. Ärgerlich ist an dieser Stelle nur, dass die 2. Staffel einige genau jener Thematiken wieder aufgreift, nur um erneut die Moralkeule zu schwingen. Insgesamt bietet Staffel 2 leider nicht viel Neues und ich sehe diese Staffel als einen kleinen Hänger an, den die Serie hatte – auf dem Weg, sich selbst zu finden. Im Prinzip macht Staffel 2 genau weiter wie Staffel 1 begonnen hatte. Mit vielen von einander unabhängigen Episoden. Die meisten davon sind äußerst unterhaltsam – und setzen auf die Charaktere und deren Zusammenspiel mit den Situationen, in die sie geworfen werden. Und deshalb schaute ich ja. Der Unterhaltung wegen.

Ein völlig neues Enterprise

Doch mit Staffel 3 erfand sich die Serie plötzlich neu. Das war im Prinzip nichts Negatives. Sie verabschiedete sich vielmehr von dem Konzept der 90er Jahre viele voneinander unabhängige Geschichten zu erzählen und schaffte einen durchgängigen roten Faden. Zum Auftakt der dritten Staffel attackiert eine Sonde die Erde. 7 Millionen Menschen sterben. Es wird schnell klar, dass die Xindi diese Tat vollbrachten, um zu verhindern, dass die Menschen in mehreren Hundert Jahren ihre eigene Spezies ausrotten. Das ist es, was ihnen von Wesen aus der Zukunft erzählt wurde.

Damit beginnt eine durchgängige, die ganze Episode umfassende Story, die zwar die ein oder andere alleinstehende Handlung zulässt, stets aber dem roten Faden treubleibt, den die ersten beiden Staffeln selten bis gar nicht durchsickern ließen.

Es ist reine Geschmackssache, ob man diese Richtungsänderung für gut empfindet. Sie wirkt im Kontext mit den ersten beiden Staffeln aber vor allem mit dem wiederum neuen Konzept für Staffel 4 ein wenig planlos, ist für sich allein genommen aber durchaus effektiv.

Die Charaktere erhalten nun weit mehr Tiefe, als dies zu Beginn der Fall war. Die Thematik wird etwas finsterer und die Moralkeule wird wenn, dann – zumindest in den meisten Fällen – etwas dezenter gezückt, obwohl die Themen dies meist von selbst schon vorgeben.

In Staffel 3 sind einige clevere Story-Twists untergebracht und der temporale Krieg wird auf eine neue Ebene gehobene. Zeitreisen finde ich ohnehin immer spannend und die Tatsache, dass der temporale Krieg bereits in der ersten Staffel eingeführt wurde, verleiht den Episoden einen ausführlichen Background und mehr Glaubwürdigkeit. An manchen Stellen hätte man dies aber doch noch einen Zacken besser umsetzen können.

Mit dem Ende der 3. Staffel wird eine 4. Staffel eingeläutet, die – wie zuvor bereits angesprochen – ein weiteres Mal ein neues Konzept. Statt Einzelepisoden oder einem durchgängigen Plot erwartet die Zuschauer dieses Mal eine Staffel bestehend aus Mehrteilern. Diese Mehrteiler bieten einerseits Platz für ausführlichere Storys ohne durch die Handlung zu hetzen. Andererseits scheinen wirken die Mehrteiler untereinander irgendwie lose und unzusammenhängend, wenngleich Verbindungen da sind. So war Staffel 4 von Enterprise zwar irgendwie eine gute Idee, allerdings nur, wenn eine 5. Staffel derselben Sorte gefolgt wäre, um ausreichend Platz für einen übergreifenden Handlungsbogen zu schaffen. Für sich genommen stellt sie rückblickend leider eher ein „Klappern wir noch ein paar Punkte ab, die in die Serie sollten, ehe sie endet“ dar.

Schade ist hier vor allem, dass man kurz vor knapp noch mit einer Doppelfolge im Spiegeluniversum experimentierte. Wäre an sich ja eine nette Abwechslung gewesen. Aber so kurz vor Schluss war das Potenzial einfach vergeudet. Und apropos Schluss.

Das Finale ist einfach nur Käse. Abgesehen davon, dass ich nicht verstehe, weshalb man in der letzten Folge noch völlig sinnfrei einen Charakter ums Eck bringen muss, nachdem die ganze Serie übber keiner der Hauptcharaktere dran glauben musste, wirkte der die ganze Episode über schon grundlos eher suizidial veranlagt.

Das Mitwirken von Riker und Troy aus The Next Generation und die Art, wie die Episode umgesetzt ist, macht im Prinzip die ganze Serie kaputt. Ein weiteres Mal würde ich diese Folge auf keinen Fall anschauen. Auch wenn ein Trekkie bei Enterprise gewiss Verbindungen zu den anderen Serien gesehen hat, die mir als Nicht-Trekkie völlig entgangen sind, so stand für mich die Serie frei vom restlichen Star Trek-Universum. Ein Bezug zu den beiden Charakteren besteht für mich nicht. Plötzlich fühlte ich mich aber wie in eine andere Serie versetzt – das Finale von Enterprise ist in der Hinsicht viel mehr eine Bonusepisode für Fans von Star Trek: The Next Generation denn ein runder Abschluss für die Serie, um die es in den soeben abgeschlossenen 4 Staffeln ging. Das hinterlässt einen etwas faden Beigeschmack und ist leider, leider eines der größten Mankos der Serie.

Mein Fazit zu Enterprise

Insgesamt gefällt mir die Serie recht gut. An einigen Stellen könnte sie durchaus besser sein. Im Großen und Ganzen erfüllt sie jedoch ihren Zweck und unterhält mit guten Storys und guten Charakteren.

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